Podcast 25:44 min vom 25.01.2023 (The Pioneer Briefing Economy Edition von Gabor Steingard)

Bernd Carlo Jerger war ein Uhrenfabrikant im Schwarzwald. Er geriet wirtschaftlich ins Straucheln, als der deutschen Uhrenindustrie insgesamt das Sterbeglöckchen läutete. Er kämpfte mit Liquiditätsengpässen und dem drohenden Konkurs. Als Ausweg aus dieser deutschen Niedergangsgeschichte, die zu seiner geworden war, wählte er den Freitod. Er feuerte eine Kugel ins eigene Herz. Sein Sohn Markus war damals 27 Jahre alt.

Heute ist dieser Sohn 58 Jahre alt und trägt als Vorstandschef des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft die Verantwortung dafür, dass sich die Geschichte eines industriellen Massensterbens (siehe oben) nicht wiederholt. Im heutigen Pioneer Podcast beschreibt er die Tragik seiner Familiengeschichte und die aufkeimende Ausweglosigkeit vieler kleiner Unternehmungen: 

"Der Mittelstand kann nicht einfach die Zelte abbauen und alle Leute entlassen, die 20 oder 30 Jahre mitgearbeitet haben am Aufbau einer Metzgerei, im kleinen Hotel, in der Gastronomie. Das können die Großen, das kann der Kleine nicht. “ 

Denn wenn die Großen gehen, lassen sie Zulieferbetriebe und Dienstleister zurück:

"Wenn die Elefanten marschieren, dann trampeln sie auch über den Mittelstand, die Ameisen hinweg, ohne sie zu sehen. “ 

 

Eine Befragung seiner 20.000 Mitglieder ergab, dass 20 Prozent bei einem Anhalten des Kostendrucks die Verlagerung ins Ausland ernsthaft erwägen.

Er fordert nichts Geringeres als eine Rundumerneuerung des Landes:

"Wir reden immer nur von erneuerbarer Energie. Wir müssen aber das Land in Gänze erneuern, sprich Deutschland transformieren, digitalisieren und optimieren. Deutschland wurde in den vergangenen Jahrzehnten so reglementiert und kontrolliert, dass heute nichts mehr richtig funktioniert. “

Er ist entschlossen, nicht verzagt. Zugleich ist er aber nicht mehr bereit, die Toxik des Cocktails aus Covid-Folgen, Inflation, Energiepreisschock und Fachkräfte-Flaute zu beschönigen

"Unternehmer lieben eigentlich Probleme. Weil sie durch die Lösung Geld verdienen. Aber wir müssen verhindern, dass ein Punkt erreicht wird, wo man unter den Problemen begraben wird. “ 

Und weiter:

"Ich möchte nicht, dass noch mehr Unternehmer das Ende so ausweglos sehen wie damals mein Vater. “ 

 

Fazit: Wenn der Wirtschaftsminister – mittlerweile zurückgekehrt aus Davos und dem Élysée-Palast – sich heute wieder mit dem Gegenwartsleiden der deutschen Volkswirtschaft befassen würde, könnte ihm dieses Interview zum Wiedereinstieg behilflich ein. Hier begegnet ihm die wahre Wirklichkeit.

 

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